Das sind in der Tat wichtige Fragen. Dazu finden auch zunehmend Debatten statt, aber der technische Fortschritt scheint kaum aufzuhalten zu sein.
Gantner: Wir sind an einem Punkt angekommen, wo sich die Technologie exponentiell entwickelt. Wir stehen mit Staunen daneben und sehen, was die künstliche Intelligenz so alles zu leisten imstande ist. Und auch wenn einige das ablehnen, wird es sich durchsetzen. Warum? Der demografische Wandel führt dazu, dass in der Pflege viel Personal gebraucht wird, aber das Personal ist knapp. Die Lohnnebenkosten sind hoch. Deswegen entscheiden sich immer mehr Institutionen, menschliche Arbeit durch KI zu ersetzen. Das betrifft ja nicht nur Ärzte, sondern ist in fast allen Branchen ein Thema.
Sie meinen, dieser Wandel sollte viel stärker reflektiert werden?
Gantner: Was wir jetzt brauchen, sind Leute, die einen Überblick haben, was da draußen gerade passiert. Genau das ist das Ziel unseres Studienganges Digital Health: Es geht darum, Generalisten auszubilden, die einordnen können, was technisch möglich und sinnvoll ist.
Im Digital Health-Studium geht es also nicht nur um technische Fertigkeiten, IT-Skills etwa, sondern auch um ethische Fragestellungen?
Gantner: Ganz genau. Unsere Studierenden bekommen einen zeitgemäßen Überblick darüber, was die digitale Transformation der Gesundheit eigentlich bedeutet, und können das dann vertiefen. Und diese Vertiefung kann z.B. in der Pflege stattfinden, beim Controlling, auf Ämtern oder auch bei Krankenversicherungen. Und wir als Kolping Hochschule begleiten das immer mit werteorientierter und haltungsbasierter Lehre. Das heißt, das Thema Ethik ist da ganz wichtig. Entscheidend ist immer: Was geht und was wollen wir eigentlich?
Es geht also darum, den Wandel im Gesundheitswesen bewusst zu gestalten und zu steuern?
Gantner: Genau. Ziel ist es, Gestalter zu werden, nicht gestaltet zu werden. Und das Thema Werte und Haltungen immer mitzudenken. Ich freue mich darauf, mit den Studierenden und allen anderen Interessierten in den Diskurs zu gehen.
Vielen Dank für dieses Gespräch!
Dieses Interview erschien zuerst im Magazin "Bildung und mehr" (01/2026) des Kolping Bildungswerkes Paderborn und wurde auch auf der Website zum Wissenschaftsjahr 2026 des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) veröffentlicht.